Chronik

Die Chronik des SV Pirna Süd

Als am 8.Mai 1945 der 2. Weltkrieg zu Ende war, stand den meisten Deutschen nicht der Sinn nach Wettkämpfen. Zu stark lasteten die Sorgen des täglichen Lebens auf den Schultern der Menschen. Neben dem Hunger nach Brot, nach Wärme, und nach Arbeitsmöglichkeiten, erfasste die mit dem Schrecken aus dem Krieg schon zurückgekehrten Jugendlichen ein unerhörter Drang sich zu amüsieren. Fast täglich gab es ab dem Herbst des Jahres 1945 wieder Tanz, Theater, Kabarett oder Kleinkunst zu erleben und trotz der Not, trotz Hunger und Kälte waren die Veranstaltungen überfüllt. Kein Wunder also, dass sich die Jugend auch sportlich wieder beweisen wollte.

In vielen Orten entstanden, nachdem es die Besatzungsarmee genehmigt hatte, Sportvereine. So auch in Pirna-Rottwerndorf. Hier trafen sich im Mai des Jahres 1946 im Vereinszimmer der Bahnhofswirtschaft die Brüder Helmut und Walter Thiermann, Helmut Hofmann und Günter Schreier, um die „Sportgemeinschaft Rottwerndorf“ zu gründen. Als I. Vorsitzender wurde Günter Schreier gewählt. Der kriegsversehrte Walter Thiermann wurde Mannschaftsleiter.

Doch nicht das Training allein war die schwierigste Aufgabe, die zu lösen war, sondern es waren die materiellen Dinge, mit denen die Verantwortlichen zu kämpfen hatten, bevor überhaupt ein Spiel angepfiffen werden konnte. Als erstes mussten die immer zahlreicher werdenden Mitglieder das Vereinsheim renovieren, das Torgebälk erneuern und von ehemaligen Spielern gebrauchte Fußballschuhe besorgen.

H. Thiermann brachte es fertig einige Fußballschuhe von ehemaligen Parteigenossen zu beschlagnahmen. H. Hoffmann wiederum tauschte den Weihnachtsbraten seiner Familie, ein schlachtreifes Kaninchen, für eine Torwartausrüstung ein. Wer das nicht konnte, versuchte durch Abreißen der Absätze und aufnageln von Lederquerstreifen auf alte Straßenschuhe sich ein Paar „Töppen“ zu schaffen. Ein Teil der Spieler, darunter besonders die Knaben- und Jugendmannschaft musste sogar barfuss spielen.

Walter Thiermann besorgte Fallschirmseide, aus der die Spielerfrauen die ersten Trikots für die Männermannschaft schneiderten. Noch im selbem Jahr nahm je eine Männer-, Jugend- und Knabenmannschaft an den Meisterschaftsrunden teil. Auch das war infolge der katastrophalen Verkehrslage stets ein Kraftakt. Meist fuhren die Männer mit dem Fahrrad zum Spiel man zog mit Frau und Kind zum Spiel und wieder nach Hause. Im Spätherbst des Jahres 1948 wanderte z.B. die Knabenmannschaft mit Ihrem Betreuer H. Tittel von Rottwerndorf nach Bielatal, spielte dort auf dem Sportplatz Reichstein (im übrigen bei Temperaturen um die Nullgradgrenze meist barfuß) und machte sich dann bei einsetzender Dunkelheit wieder zu Fuß auf den Heimweg. Bei den Heimspielen gab es an allen Spielfeldern damals Zuschauerzahlen, von denen die meisten Vereine heute nur träumen können. Aber was sollte ein Mensch ohne Auto, Motorrad oder Fernseher sonntags sonst anfangen?

So war der kleine Mann schon froh, wenn er seine Lieblinge am Sonntag auf dem Platz siegen sah, dann konnte er sich beruhigte in Bier gönnen, das der rührige Bahnhofswirt, der „Otte Schorsch“ im Leiterwagen herangeschleppt hatte. Aber auch wenn man verlor, auf Arbeit oder in der Kneipe boten die Ergebnisse und die Spieler für die nächste Woche auf jeden Fall Gesprächstoff. Und so sind sie den heute noch Lebenden in Erinnerung geblieben.


Die Männer der ersten Stunde unter Trainer Grimmer waren:


In den Folgejahren bis 1951 nahm die SG Rottwerndorf stetig an Mitgliedern zu. Im Nachwuchsbereich wurde auf eine Besetzung aller Altersklassen hingearbeitet. Ebenso wurde eine Reservemannschaft, eine Kegelabteilung und sogar eine Handballabteilung 1949 gegründet, die 1951 allerdings mit der Gründung der ersten Betriebssportgemeinschaften, zu Fortschritt Pirnaüberwechselte. Unter diesen Sportfreunden war auch Karl-Heinz Eichler, der sich noch genau an die Männer der ersten Stunde erinnern konnte – Danke!

Mit der Entstehung der damaligen volkseigenen Betriebe sowie der Umwandlung der Sportgemeinschaften in BSG begannen für die Rottwerndorfer Fußballer recht wechselvolle Jahre. Ständige Namensänderungen und Sportplatzwechsel prägen das Bild dieser Zeit. Einmal spielte man für KWU (Kommunales Wirtschafts-Unternehmen), ein anderes mal für Einheit Pirna auf dem Fortschritt-Sportplatz, für Empor Pirna in Zehista und Cotta sowie für Rotation Pirna, wiederum auf dem Rottwerndorfer Sportplatz. Dann kam das Jahr 1957, das wohl bislang schwärzeste für die Sportgemeinschaft und Pirna seit Ende des Krieges.

Über Nacht riss ein gewaltiges Hochwasser der Gottleuba alles mit, was sich die Sportler in jahrelanger Kleinarbeit geschaffen hatten. Das Wasser stand so hoch, dass man nur noch ein Teil des Daches vom Umkleidegebäude sehen konnte. Der Gesamtschaden war nur zu erahnen, da sich meterhohe Schlamm- und Geröllmassen auf dem Sportplatz türmen. In der Kegelbahn stand das Wasser einen Meter hoch.

 


 

In unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden unter der Leitung von Achim Kunze wurde der Sportplatz wieder aufgebaut, die Erdmassen wurden abtransportiert, dafür wurde sogar eine Schienenanlage mit Lohren aufgebaut. Gleichzeitig begann man mit ersten Modernisierungsmaßnahmen, es wurde eine Wasserleitung auf das Sportgelände gelegt und Duschen in das Umkleidegebäude eingebaut. Als im Jahr 1958 erneut das Hochwasser den Sportplatz heimsuchte, wurde der Nachwuchs aufgelöst und es gab nur eine Männermannschaft. Sie musste sich die nächsten 2 Jahre auf fremden Plätzen gegen andere Mannschaften beweisen, bis 1960 der Spielbetrieb wieder in Rottwerndorf möglich war.

Alwin Dießner war es zu verdanken, das mit Hilfe der Trägerbetriebe, wie Volksgut, Kittwerke Pirna und dem Sandsteinbetrieb eine neue Kegelbahn auf dem Gelände hinter dem Kulturhaus Rottwerndorf für die steigende Mitgliederzahl der Kegler entstand. Sie wurde im März 1960 eingeweiht. Auf der Mitgliederversammlung 1958 im Saal des Kulturhauses Rottwerndorf wurde beschlossen, in Zukunft den Namen >>SG Traktor Gottleubatal<< zu führen.

Als neuer Vorsitzender wurde der Sportfreund Rudi Kunze von Mitgliedern gewählt. Unter seiner Regie vergrößerte sich die Gemeinschaft systematisch. Sektionen wie Gymnastik oder Tischtennis entstanden. Unter der Organisation des neue Sektionsleiters Fußball Christian Mühle fand 1963 das erste internationale Spiel gegen die tschechische Mannschaft aus Neratovice in Rottwerndorf statt, welches mit 3:2 gewonnen wurde. In den folgenden Jahren wurden weitere Spiele in Rottwerndorf oder in der Tschechoslowakei (zum Beispiel gegen Koncuk Kralupy) organisiert.



Erste Erfolge stellten sich ein, den vorderen Plätzen in der Meisterschaft folgte der Gewinn des Pokals „Goldner Traktor“ in Birkwitz durch die 1. Männermannschaft mit 2:1.

1964 hielt in Rottwerndorf der Wismut-Bergbau Einzug. Der Bau eines riesigen Verladebahnhofes für den Bergbau gewonnene Uranerz wurde geplant und sollte auf dem damaligen Sportgelände realisiert werden. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation in der damaligen DDR stand Uranerzabbau auf der Prioritätsliste sehr weit oben und keine Macht der Welt hätte diesen Bau verhindern können. So kam es dann zum Abschiedsspiel gegen die damalige Oberligamannschaft von Wismut Aue. Traurig war man weniger über das verlorene Spiel (1:4), sondern über den Beschluss, dass das, was die Sportler in unzähligen Stunden über Jahre sich selbst geschaffen hatten, mit einem Mal nicht mehr existieren sollte. Doch es sollte weitergehen.

Auf einer Sitzung im Saal des Kulturhauses Rottwerndorf wurden die neuen Bedingungen für den Platzbau besprochen. Die Stadt stellte das Flurstück an der Kleingartenanlage zur Verfügung und übernahm die Verantwortung für das Sportlerheim, die Wismut sollte das Geld geben und den Platz anlegen. Während der Bau des Vereinsheimes voranschritt, geschah am Platz nichts. Also ergriffen die Sportler die Initiative und fing nach 1958 an der Stelle den Bau des Hartplatzes an. Waggons mit Schlacke wurden ran geschafft und mit der Technik des Kittwerkes entladen und in unzähligen Stunden nach Feierabend ausgebreitet. Da wurde so manches Abendbrot von den Ehefrauen auf dem Sportplatz serviert.
Die Abfindung der Wismut war beim Bau des Vereinsheimes schnell aufgebraucht. Da die Stadt einen weiteren Teil in Graupa investiert hatte, reagierte der Vorstand sofort. Um die Situation zu klären suchte Paul Wehner die hiesigen Institutionen auf, jedoch ohne Erfolg. Daraufhin beschlossen Christian Mühle und Paul Wehner sich an den Präsidenten des DTSB, Manfred Ewald zu wenden und fuhren gemeinsam nach Berlin. Dort wurden sie von einem Mitarbeiter des Präsidenten empfangen und angehört. Bereits eine Woche nach diesem Besuch kontrollierte ein Staatssekretär alle Baumaßnahmen vor Ort, sowie den zweckgebundenen Einsatz der Abfindungsgelder.

Rainer Hilbig sorgte unentgeltlich für die Eingrenzung des Sportplatzes mit einem Zaun. Die Bestuhlung für das neue Vereinsheim wurde über das Kittwerk Pirna in Rammenau organisiert. Die Spielerfrauen nähten die Gardinen und machten das Sportheim für die bevorstehende Einweihung sauber. Am 4. Dezember 1966 wurde es unter zahlreichen Gästen, unter ihnen auch der persönliche Referent des Präsidenten des DTSB, Erhard Renske, eingeweiht. Ein besonderer Dank gilt Werner Wokittel, Peter Staude und Werner Köhler in Vertretung für alle aktiven Helfer, die mehr als 20000 freiwillige Stunden zum Aufbau der Sportstätte beisteuerten. Großer Dank gilt auch den Frauen, die mithalfen und die Arbeit ihrer Männer unterstützten. Das Einweihungsspiel bestritt die 1. Mannschaft Traktor Gottleubatal gegen die Juniorenmannschaft der BSG Stahl Riesa, u.a. mit Lothar Kurbjuweit, später Nationalspieler der DDR und Spieler beim FC Carl-Zeiss-Jena. Das Ergebnis (Riesa gewann) wurde zur Nebensache. In erster Linie überwog die Freude, dass man endlich wieder einen eigenen Sportplatz zur Verfügung hatte.

Die Nähe der neuen Anlage zur nahe gelegenen Südvorstadt sollte sich auszahlen. Der Zulauf an Mitgliedern wurde immer größer, so dass man schon bald auf die stolze Zahl von 467 kam (1970). das hieß, dass in jeder Altersklasse zwei Mannschaften gebildet werden konnten. Unter der Anleitung von solch guten Übungsleitern, wie Georg Guminsky, Horst Kretzschmar, Erich Krause, Hellfried Schiller, Wolfgang Wiesner, Siegfried Weiß, Hans Lehmann und Johannes Keller begannen die wohl erfolgreichsten Jahre in der Vereinsgeschichte.

Unter George Guminky und Johannes Keller belegte die Juniorenmannschaft(A-Jugend) 1967/68 einen sehr starken 2. Platz in der Bezirksklasse und scheiterte nur knapp am Aufstieg. Es folgte 1968 Spartakiade-Gold in der AK 12/14, mehrere Kreismeistertitel im Nachwuchs und 1968/69 der erste Kreismeistertitel für die 1. Männermannschaft. 1973 erreichte man den absoluten Höhepunkt mit der errungenen Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstiegspielen zur Bezirksklasse. Das erste Spiel in dieser Runde ging zwar mit 3:0 gegen Motor Übigau verloren, es folgten jedoch 2 Siege, 2 Unentschieden und noch eine Niederlage und so konnte die Mannschaft nach 6 Spielen aufgrund  des besseren Torverhältnisses gegenüber der puntgleichen Mannschaft aus Glashütte den Aufstieg in die Bezirksklasse feiern. Das Pokalfinale in Stuppen verlor man dagegen deutlich mit 4:0 gegen die SG Traktor Reinhardtsdorf. Hervorragende Spielerpersönlichkeiten entwickelten sich in diesen erfolgreichen Jahren, wie zum Beispiel Hellfried Schiller und Werner Wokittel mit je 14 bzw. 12 Auswahlberufungen zum alljährlichen stattfindenden 4-Städte-Turnier.

Weitere waren:
Spfr. Klimank schaffte es bis zur SG Wismut Gera, DDR-Oberliga
Spfr. Chechke als Torwart über die Stationen Lok Leipzig, Hansa Rostock, FC Karl-Marx-Stadt bis zur Eintracht Braunschweig
Spfr. Balle, Udo Brandenburg, DDR-Liga
Spfr. Klier, Jan-Uwe Turbine Magdeburg, DDR-Liga
und viele andere, die es auch bis zur Bezirksebene geschafft haben.

In der Abteilung Kegeln konnte 1967 Sportfreund Roland Winter den Kreiseinzelmeistertitel erringen.

In den 70er Jahren wurde der Verein in die Trägerschaft des VEB Vereinigte Klebstoffwerke Pirna übernommen und spielte fortan unter dem Namen BSG KW Pirna (KWP). Diese neue Trägerschaft brachte dem Verein finanzieller und materieller Hinsicht nur Gutes. So entstand mit finanzieller Hilfe und Unterstützung der Kittwerke die Flutlichtanlage für den Hartplatz. Helmut Ritter besorgte über die Klebstoffwerke neue Jerseys, Problem bei der Bereitstellung von Spielausrüstung oder Trainingsmaterial sollte es fortan nicht mehr geben. Zu den Auswärtsspielen wurde ein Mannschaftsbus gestellt, der unter viel Überzeugungsarbeit von Christian Mühle bei der Betriebsleitung für die Kittwerke Pirna angeschafft und den Fußballern  zur Verfügung gestellt wurde.

Noch im Jahre 1975 einigten sich Verein, Sportstättenverwaltung Pirna und die Trägerbetriebe über die Finanzierung und den Bau eines neuen Rasenplatzes. Zum Auffüllen wurde der Abraum von der Halde nach Dienstschluss und mit Hilfe von Betriebsfahrzeugen geholt. Anschließend wurde die Fläche mit der Raupe planiert. Der Mutterboden und das Saatgut wurde von der Stadt zur Verfügung gestellt und von der Wismut geliefert. So entstand in dreijähriger Bauzeit von 1976-1979 ein Fußballplatz, der mit 118 m Länge der größte Platz im Kreis Pirna war, ganz nebenbei.

Zur Einweihung des Platzes machten sich die Fußballer ein weiteres Geschenk. Nach einen 2:1 Sieg über Chemie Dohna errang sie erstmalig den FDGB-Pokal, nachdem ihnen vorher mehrmals das Glück fehlte.

Nach zweijähriger Amtszeit des Vorsitzenden Dieter Maucksch, übernahm Horst Umland den Vorsitz. Unter seiner Leitung wurde der Anbau am Vereinsheim realisiert, die Zahl der Mitglieder gesteigert und Sportgruppen in Dohma und Goes gegründet.

1981 schaffte man unter dem langjährigen Übungsleiter Johannes "Jonsch" Keller noch einmal den Aufstieg in die Bezirksklasse, bevor sich der Bezirksfußball 1983 für längere Zeit aus der Südvorstadt verabschiedete.

Dem Organisationstalent, Spfr. Erich Krause, war es zu verdanken, dass es in dieser Zeit trotzdem etwas zu feiern gab. Besonders die Sportbälle im Saal des Kulturhauses Rottwerndorf waren sehr beliebt, davon existieren noch so manche Geschichten, an die man sich immer gern erinnert.

1989, im Jahr der politischen Wende in der DDR, ging dieses "süße" Leben im Verein zu Ende und es begann der nackte Kampf ums Überleben des Vereins. Die Mitgliederzahl sank von über 400 auf magere 160, die Unterstützung der Trägerbetriebe fiel weg und man musste sich mit neuen Begriffen, wie Betriebskostenzuschuss, Sponsoren, Finanzamt, Steuern oder Werbung befassen. Trotzdem waren sich die Rottwerndorfer Sportler einig, dass sie diesen für die Zukunft nicht einfachen Weg gehen wollen. Das erforderte allerdings, dass in den Köpfen der Mitglieder umgedacht werden musste, so musste jetzt jeder Sportler ein Stück Vereinsarbeit übernehmen, um die gestellten Ziele zu erreichen.
Mit den Wegfall des Trägerbetriebes fiel 1991 auch der Vereinsname der Wende zum Opfer, auf einer Mitgliederversammlung entschied man sich für den  neuen Namen SV Pirna-Süd e.V..

In den folgenden Jahren konnte mit der finanziellen Unterstützung der Stadt Pirna die sozialen Bedingung massiv verbessert werden. Das Vereinsheim wurde modernisiert, die Sanitäranlagen erneuert, die Heizung angepasst und von Flüssiggas auf Erdgas umgestellt. Der Hartplatz erhielt eine bessere Flutlichtanlage und zur Rasenpflege wurde in neue Sportplatztechnik investiert. Der damals angeschaffte Rasentraktor drehte noch bis 2008 zuverlässig seine Runden auf den Rasenplatz. Ebenfalls wurde eine moderne Kegelbahnautomatik installiert und in Hamburg der erste Vereinsbus organisiert und abgeholt. So konnten in den ersten Jahren nach der Wende beträchtliche materielle Erfolge erzielt werden.

Sportlich gesehen, musste man sich erst einmal von diesem Mitgliederverlust zur Wendezeit erholen. Komplette Mannschaften hatten den Verein durch ihre Ausreiseabsichten verlassen und in den verschiedenen Abteilungen große Löcher gerissen. So stellten sich sportliche Erfolge erst 1996 ein, nachdem sich die Mannschaften wieder gefunden hatten und leistungsstarke Truppen bildeten. Die 1. Mannschaft in Fußball und Kegeln schafften den Staffelsieg und somit den Aufstieg in die Kreisliga A.

1997 wendete sich die bis dahin vereinslos spielenden Volleyballer des "Club der Großen" an den SV Pirna Süd, die Abteilung Volleyball unter  der Leitung von Antje Berger entsteht.

In den folgenden Jahren machten sich die gesunkene Mitgliederzahlen aus der Wendezeit langsam bemerkbar. Die finanziellen Mittel zum Erhalt der Sportanlage brachten zum größten Teil die Mitglieder der Abteilung Kegeln auf. So konnte es nicht weitergehen, die Sportanlage war nicht länger haltbar. 1997 wurde ein erster Versuch zur Fusion mit dem FSV Pirna unternommen, der jedoch scheiterte. Nach umfangreichen Verhandlungen mit Unterstützung der Stadt Pirna, besonders Frau Georgie, erfolgte trotz vieler Widerstände einzelner Sportfunktionäre am 30.05.1999 die Fusion mit dem damaligen  Fußballsportverein Pirna e.V.. Großen Anteil an diesem wichtigen Schritt für die Zukunft der Vereine hatten Gerald Socha, Lothar Petzold, Frank Gladrow, Dieter Schwanz, Dieter Lünsmann und Gabi Michalk.

Die Entscheidung beider Vereine war goldrichtig. Die Mitgliederzahl wurde von 150 auf 350 verdoppelt und die Nachwuchsabteilung um 4 Mannschaften auf 6 erweitert. Der Erhalt der Sportstätte konnte durch die Mitgliederbeiträge und Sponsoren gesichert und sportlich der Blick in Richtung Bezirksliga gerichtet werden, da die 1.Mannschaft des FSV Pirna bereits in der Bezirksklasse spielte. In der folgenden Saison schaffte man sofort unter dem damaligen Trainer Dieter Syssemilch den Aufstieg in die Bezirksliga. Der sportliche Aufstieg machte allen Verantwortlichen im Verein klar, dass der vorhandene Sozialtrakt keine tauglichen Bedingungen für die Bezirksliga darstellte, es musste nach einer Lösung gesucht werden. An einen Neubau war nicht zu denken, Zuschüsse und Fördermittel wurden nicht genehmigt und die vorhandenen Eigenmittel waren nicht ausreichend für ein so großes Projekt.

Die Container des damaligen Arbeitsamtes, die nach dem Neubau leer standen, waren die Lösung für die Probleme der Sportler. So wurden 2001 mit finanzieller Unterstützung der Stadt Pirna und in zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden ein Fundament geschaffen, die Container an ihrem alten Standort abgebaut und auf dem Sportplatzgelände wieder aufgebaut. Ehrenamtlich installierte Steffen Wehner die Heizungsanlage, die Firma Weiss legte die Fliesen. Sportfreunde wie Hansi Thomas (Fußboden), Klaus Colosser (Schlosser) und Thomas Meissner (Elektrik) engagierten sich bei der Schaffung geeigneter Trainings- und Wettkampfbedingungen im Bereich des Containerbaus.

Im gleichen Jahr wurde die Abteilung Taekwon-Do gegründet, die sich aber 2005 selbständig machte und einen eigenen Verein gründete.

Im Jahre 2002 wurde aus Eigenmitteln ein Sprecherturm errichtet, sowie mit Fördermitteln des Regierungspräsidiums und der Stadt Pirna die Elektrik instand gesetzt, eine Regeneration des Rasenplatzes durchgeführt. Für die weiterhin anhaltenden sportlichen Erfolge wurden in den folgenden Jahren die sozialen Bedingungen stetig verbessert, es entstanden 4 Wechselkabinen, eine Terrasse vor dem Containern, das Geländer um den Hartplatz wurde erneuert und das Vereinsheim komplett instand gesetzt. Ein weiteres Problem konnte 2004 mit der Ballfanganlage entlang der Kleingartenanlage gelöst werden. Die Datschenbesitzer konnten nun ungestört ihren Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen, ohne das ein rundes Leder den Kaffeetisch in ein Schlachtfeld verwandelte.

Die Jahre nach der Fusion waren von sportlichen Erfolgen geprägt, ob im Club der Großen, in der Abteilung Kegeln oder im Fußball, überall konnten Pokale, Einzeltitel, Meisterschaften und gute Platzierungen erreicht werden.

Der Club der Großen konnte Osterturnier in eigener Halle 2003 gewinnen, 2005 kam ein regionaler Turniererfolg dazu und 2006 gewann man das Osterturnier in Holland. In der Abteilung Kegeln sorgten Brunhilde Richter, Ute Roschig und Jutta Schiller für Erfolge, andere Sportler konnten sich ebenfalls auszeichnen und errangen Kreismeistertitel in der Einzel- und Mannschaftswertung verschiedener Alterslassen.

Im Fußball folgten dem Vorbild der 1. Männermannschaft viele Nachwuchsmannschaften, so kam es in den Altersklassen E-, D- und C- Junioren zu Kreismeistertiteln und den damit verbundenen Aufstiegen in die Bezirksklasse. Die B- Junioren konnten über die Jahre die Bezirksklasse, manchmal mit sehr guten Platzierungen und manchmal mit viel Glück halten. Den A- Junioren gelang unter Frank Höhl 2004 der Staffelsieg in der Bezirksklasse und der Aufstieg in die Beziksliga,die im folgenden Jahr gehalten wurde.

Die 1. Männermannschaft konnte sich in der Bezirksliga etablieren und 2003/2004 einen hervorragenden 4. Platz unter Trainer Strassburger erreichen. Doch wie auch im Profigeschäft können Erfolge zur Selbstüberschätzung führen und so folgte 2004/2005 der Abstieg in die Bezirksklasse. Maßnahmen, wie organisierte Hallenturniere in de Winterpause und Kleinfeldturniere in der Sommerpause für alle Mannschaften, sowie Trainingslager in den Ferien sollen zur weiteren Entwicklung in der Nachwuchsarbeit beitragen, um den Kindern ein Gefühl für Bewegung, Teamgeist und Freundschaft zu geben.